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Die Kirchensteuer – falsche Weichenstellung aus der NS-Zeit 

Jedes Jahr im Frühling kommt die Kirchensteuervorschreibung für die österreichischen Katholiken, die aufgrund eines historischen Zufalls seit 1939 gleichzeitig auch Mitglieder der Gemeinschaft der Kirchensteuerpflichtigen sind. Die Kirchensteuerstellen sind nach vielen Erfahrungswerten zweifellos die am effizientesten arbeitenden Einrichtungen der kirchlichen Bürokratie.

Denn hier geht es eindeutig um das Wichtigste, um das Geld. Daher wird in diesem Gastkommentar nicht der offizielle Ausdruck "Kirchenbeitrag" verwendet. Denn dieser klingt allzusehr nach Freiwilligkeit.

Ein einschlägiger Erfahrungswert ist beispielsweise, daß nach der Hauptwohnsitzmeldung in Wien die Kirchenbeitragsstelle nach etwa 14 Tagen die Vorschreibung schickte, die territorial zuständige Pfarre ihren Willkommensbrief aber erst nach fünf Monaten. Das sind klare Gewichtungen.

Ein anderer Erfahrungswert ist, dass bei Besprechungen in diözesanen Mitarbeiterkreisen das Geld einen überproportional wichtigen Platz einnimmt, weit vor der Frage der inhaltlichen Ausrichtung. Dabei ist in Bezug auf das angeblich fehlende Geld oft eine gewisse Larmoyanz festzustellen, d.h. man lamentiert, anstatt zu fragen, zu welchem Zweck man überhaupt im kirchlichen Apparat arbeitet.

Und schließlich: Wer sich als "mündiger" Katholik erdreistet, sein Geld selbständig an ihm förderungswürdig erscheinende Institutionen oder Geistliche zu bezahlen, wird letztlich mit dem Rechtsanwalt und der Pfändung bedroht.

Alles das haben viele schon erlebt.

Um den Horizont für die folgenden Überlegungen zu erweitern, sei hier zunächst eine grundsätzliche und aktuelle Frage erörtert:

"Arme Kirche für die Armen" – wie bitte?

Papst Franziskus hat schon früh in seinem Pontifikat diese schmissige Parole ausgegeben. Warum, entzieht sich einer rationalen Erklärung. Denn die Parole ist erstens ohnehin sinnlos. Und zweitens widerspricht sie der Realität der finanziell steinreichen Diözesen des deutschen Sprachraums, die spirituell so gut wie mittellos sind, aber den vatikanischen Betrieb maßgeblich mitfinanzieren.

Irgendetwas ist immer unehrlich bei der "Armuts"-Rhetorik, einschließlich der "Armutsnetzwerke" und "Armutskonferenzen". Sie widerspricht in ihrer kryptomarxistisch-ideologischen Aufladung dem Geist des Evangeliums. Sie widerspricht der Geschichte der Kirche, die etwa in Gestalt der Klöster über Jahrhunderte hinweg durch Fleiß und Askese ungeheure materielle Werte geschaffen hat, die allen zugute kommen. Der Marxismus hat gar nichts geschaffen, sondern nur weggenommen und zerstört.

Pauperismus als Hobby der Superreichen?

Die Armutsrhetorik widerspricht vor allem der Realität: Papst Franziskus umgibt sich häufig mit superreichen Globalisten, die ihrerseits die Armutsrhetorik bedienen.

Das gibt es auch auf einer niedrigeren hierarchischen Ebene.

Dazu ein grelles Beispiel:

In der Fastenzeit war ein Beitrag auf dem kirchennahen und ziemlich sinnlosen Radio Klassik/Stephansdom über einen Ordenspriester aus einer Gemeinschaft zu hören, die sich besonders der Armut verschrieben hat. Der Geistliche erzählte vom bescheidenen Lebensstil und von der Einsiedelei, in die er sich immer wieder zurückziehe. Dort gebe es kein Fließwasser und keine Heizung und dergleichen. Der Pater lobte diesen Gebrauch. Die Redaktion unterstrich durch die Gestaltung des Beitrags die Armutspredigt des Paters.

Auf diesen Sendebeitrag folgte eine Werbeeinschaltung eines Bankhauses zum Thema Kapitalinvestition. Danach folgte eine Werbeeinschaltung einer Monatszeitschrift, die sich nach ihrem Titel dem finanziellen Profit widmet. Darauf folgte der Börsenreport.

Nicht unwitzig – und gleichzeitig symptomatisch.

Die Redaktion empfand die Armutsglorifizierung offenbar nicht als Widerspruch zum Dienst am Mammon.

Die "arme Kirche für die Armen" ist deswegen Unsinn, weil eine arme Kirche den Armen ja gar nichts nützt. Die Frage ist eben nur, ob man die Hilfswerke finanziell gut ausstattet oder aber einen sterilen Apparat.

Materielle Armut pauschal zu verherrlichen (also eine Ideologie, die als "Pauperismus" bezeichnet wird), kann sich nicht auf die kirchliche Lehre berufen. Wenn sich Armut und Ärmlichkeit auf die Gottesverehrung beziehen, haben sie den Verräter im ersten Apostelkreis zum Vorbild (Mt 26,9).

Etwas anderes ist es selbstverständlich, im Rahmen des Ordenslebens ein freiwilliges Armutsgelübde abzulegen. Ohnehin gilt für alle, der Habgier zu widerstehen, eine gewisse innere Distanz zu allem Vergänglichen zu pflegen und nicht dem Mammon zu "dienen". Für die Kirchenführer gilt, den materiellen Besitz, der von den Gläubigen beigetragen wird, sparsam, sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen.

Derlei moralische Imperative interessieren die Kirchenführer derzeit aber nicht. Um dieses Versagen schlaglichtartig zu beleuchten:

Die "arme Kirche" verheizt sinnlos die Kirchensteuergelder – Beispiel Linzer Dom

"Die arme Kirche für die Armen" ist vor allem eine faustdicke Lüge. Ein geradezu brutales Beispiel für diese Lüge sind die derzeitigen Vorgänge um den Linzer Dom. Vor zwei Jahre wurde in den Medien berichtet, dass ein Umbau des Altarraums geplant sei. Man wolle den "Volksaltar" näher zu "den Menschen" rücken. Auf diese Weise soll auch das "Atmen" des Doms "erfahrbar" gemacht werden. Das Projekt sollte für den läppischen Betrag von 950.000 Euro realisiert werden.

Nun, keine zwei Jahre später, wurde in oberösterreichischen Medien von weiteren Planungsstadien des Projekts berichtet. Und siehe da: Derzeit werden die Kosten schon mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Ein kleiner, unbedeutender Kostenanstieg? Kein Problem für die arme Kirche der Armen!

Aus ideologischer Verblendung wird von einer schwer zu durchschauenden diözesanen Machtclique ein Projekt geplant, das sehr kostspielig ist und das im gläubigen Volk (oder was davon nach Jahrzehnten des Abbruchs noch übrig geblieben ist) kaum jemand will. Verschiedene Initiativen versuchen, wie man hören kann, das Ensemble des Doms zu retten. Es gibt sogar Unterschriftenaktionen im Zentrum von Linz.

Alle Eingaben waren aber bis jetzt erfolglos.

Das mit rigiden Mitteln eingetriebene Kirchensteuergeld wird in diesem konkreten Fall also für ein Prestigeprojekt mit enormer ideologischer Aufladung gesteckt. Warum wird hier nicht auf die vox populi gehört? Warum ist hier die "arme Kirche für die Armen" plötzlich kein Thema?

Wer profitiert übrigens von diesem Auftrag? Wer profitiert von der Verteuerung des Projekts? Das wäre auch eine eigene Recherche wert.

Kirchenmitgliedschaft muß von der Geldeintreiberherrschaft getrennt werden!

Unter Papst Benedikt XVI. wurde im Jahr 2006 vom Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte amtlich verkündet, dass ein formaler Austritt aus der Kirche nicht vor einer Zivilbehörde erfolgen kann und dass eine entsprechende Erklärung vor ebendieser Behörde im Zusammenhang mit der Zugehörigkeit zur Kirchensteuergemeinschaft keinerlei Kirchenstrafen nach sich zieht (http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/intrptxt/documents/rc_pc_intrptxt_doc_20060313_actus-formalis_ge.html). Auf gut Deutsch gesagt: Der zivilrechtliche "Austritt" ist nicht als Glaubensabfall (Apostasie) oder Schisma zu werten. Deswegen kann auch kein Ausschluss von den Sakramenten, also keine Exkommunikation, erfolgen.

Erwartungsgemäß unterliefen die österreichischen Bischöfe diese Erklärung. Denn die Trennung der Kirchenmitgliedschaft von der Kirchensteuergemeinschaft sollte unbedingt verhindert werden. Der Rubel muß weiter rollen.

Und so geht der Weg in den Untergang munter weiter. Die Kirche wird ja kaum noch ernstgenommen. Sie wird als Vorfeldorganisation der Politik und als Inkassobüro empfunden.

Das Problem ist allerdings grundsätzlicher:

Sogar wenn die österreichischen Bischöfe und ihre Apparate, inklusive Verbände und Caritas, eine ordentliche, katholische Arbeit machen würden, dürften Seelsorge und Sakramentenempfang niemals mit rechtlich einklagbaren Ansprüchen (Der "Beitrag" ist also de facto eine staatliche "Steuer") gekoppelt sein!

Ein erheblicher Teil des Kirchenbeitrags fließt ohnehin in einen sich gegenseitig verwaltenden und somit selbstzweckhaften Apparat, der so gut wie keine Außenwirkung hat. Diesen Apparat könnte man auf einen Bruchteil des Umfangs reduzieren. Für alles andere wird immer Geld dasein. Viele Gläubige wären bereit, mehr zu geben als den Betrag der Kirchensteuer. Das sieht man in den traditionsverbundenen Gemeinden und in den gläubigen Pfarren. Dort wird aber auch etwas Ordentliches geboten.

Unter gegenwärtigen Umständen ist es eine unzumutbare Dreistigkeit, den Gläubigen von der Kanzel herab den interreligiösem Mischmasch, den Klimawahn und die sogenannten "Flüchtlinge" zu predigen und dann deren Geld mit rechtlichen Mitteln einzuklagen. Alleine in der Diözese Feldkirch, also im kleinen Vorarlberg, werden nach eigenen Angaben etwa 300 Pfändungen pro Jahr durchgeführt!

Solange immer noch historisch wertvolle Kirchen grauenhaft verschandelt werden (angeblich wegen der "Liturgiereform" des Konzils), haben die kirchlichen Strukturen eindeutig zu viel Geld. Solange sich etwa die Diözese Linz drei Mitarbeiter für "Altarraumgestaltung und zeitgenössische Kunst"(!), insgesamt übrigens sieben Mitarbeiter im Kunstreferat, leistet, würde man sich finanziell ärmere Diözesen durchaus wünschen, beziehungsweise Diözesen ohne aufgeblähte Apparate.

Resümee: Schlechtes Beispiel der österreichischen Kirchenführung

Immer noch schauen viele Menschen hierzulande auf das Verhalten der Kirchenführer, weil sie es für auf irgendeine Weise relevant halten. Das bedeutet, daß das schlechte Beispiel der Kirchenführer auch von politischen Verantwortungsträgern nachgeahmt wird: Die legitimen Interessen der Untergebenen sind unwichtig, es wird gnadenlos darübergefahren. Im politischen Bereich betrifft das das Interesse der Bürger an Sicherheit, Rechtssicherheit und Wohlfahrt. Alles das wird von den politischen Eliten der Illusion eines "neuen, besseren, gerechteren, bunteren und offeneren Europas" (o. ä.) geopfert. Dazu wird die Steuerschraube ordentlich angezogen.

Man muß längst von Konfiskation sprechen.

Die Kirchenverantwortlichen machen es ja auch so ähnlich. Auch hier kosten die Illusionen viel Geld.

Die ersatzlose Streichung der Kirchensteuer wäre daher wünschenswert. Im Gewissen ist der Katholik ohnehin verpflichtet, seinen Beitrag zum Leben der Kirche zu leisten (KKK 1351, CIC can. 222). Die Kirchensteuer sollte daher durch ein freiwilliges Beitragssystem ersetzt werden. Das ginge aber nur, wenn man die Einführung der Seelsorgskolchosen ("Pfarre neu") stoppen würde.

Eine Pfarre und eine Kirche, die den Pfarrangehörigen "gehört", wird immer über genug Mittel verfügen. Wenn die Mittel zentral kassiert, verwendet und vergeudet werden und wenn Kirchen gegen den Willen der Gläubigen verschenkt werden (in Wien etwa Maria vom Siege, Neulerchenfeld, St. Antonius), ist die Spendenbereitschaft natürlich gering.

Das wäre sicher auch ein gutes Vorbild für den weltlichen Bereich. Dieser sollte bedenken, dass die Steuerlast nicht in Raub und Konfiskation ausarten darf und dass die Bürger legitime Interessen und Rechte haben.

Im übrigen kann es nicht angehen, dass ausgerechnet die Kirche von einem Gesetz aus der Zeit des Nationalsozialismus profitiert. Das ist eine Verhöhnung aller katholischen NS-Opfer. Aber die Kirchenführung hält es offenbar mit dem Non olet.

MMag. Wolfram Schrems ist Theologe, Philosoph und Katechist.

 


Artikel auf http://www.kath.net/news/59393

02 Mai 2017, 10:00
Wenn die Kirche in Österreich einmal im Jahr an Katholiken schreibt...

...dann geht es nicht um Jesus, Ewiges Leben, Mission oder wichtige Themen. Sondern es geht um den schnöden Mammon. kath.net-Kommentar von Roland Noé

Wien (kath.net/rn)
Alle Jahre wieder schreibt die Kirche in Österreich an ihre Mitglieder. Nein, da geht es nicht um Jesus, Mission, ewiges Leben und die offensichtlich wichtigen Dinge. In diesen Briefen geht es um den schnöden Mammon, den "Kirchenbeitrag", der de facto eine Kirchensteuer wie in Deutschland und in der Schweiz ist. Zahlen Sie diesen Beitrag nicht ein, dann wird die Kirche einmal im Jahr richtig aktiv für Sie persönlich. Sie bekommen Mahnungen. Am Anfang noch freundlich. Zahlen Sie jedoch nicht, werden Ihnen gerichtliche Maßnahmen angedroht und auch ausgeführt. Nicht wenige Katholiken, die aus Gewissensgründen nicht zahlen wollen, kommen hier in eine Zwickmühle. Was tun?

Fakt ist, dass man theologisch gesehen aus der Kirche gar nicht austreten kann, auch wenn Kirchenbeamte das naturgemäß nur ungern zugeben. Semel catholicus semper catholicus“ (einmal katholisch, immer katholisch) heißt ein alter theologischer Grundsatz. Auch ein formaler Austritt aus der Kirche, wie er weltweit fast nur im deutschsprachigen Raum zu finden ist, kann das Prägemal der Taufe nicht auslöschen. Inzwischen haben wir in deutschsprachigen Ländern die Sondersituation, dass immer mehr gläubige Katholiken aus Gewissensnöten aus der Kirche austreten wollen und dies auch machen.

Sie beten am Sonntag das Credo, nehmen am Kirchenleben teil, gehen zur Eucharistiefeier und unterstützen mit ihrem Geld missionarische Initiativen, die von den Kirchenbeitragsgeldern nichts bekommen. Es ist absurd: Nicht die Taufscheinkatholiken werden gemahnt, weil diese vielleicht in Gefahr stehen könnten, das Ewige Heil nicht zu erreichen. Gemahnt werden jene Katholiken, die formal aus der Kirche "austreten", sprich: ihren Kirchenbeitrag nicht zahlen. Sie hören dann unter anderem, dass ein katholisches Begräbnis nicht mehr möglich sei. Eine Drohung, die in der Praxis von nicht wenigen katholischen Pfarrern, die hier durchaus differenzieren können, kaum angewandt wird. Ein "formaler Austritt" hat deswegen nicht jene Konsequenzen für die Ewigkeit, wie es kirchlicherseits suggeriert wird.

Die Botschaft, die durch diese Kirchenpraxis vermittelt wird, ist allerdings skandalös: Geht es ums Geld, sorgt sich die Kirche intensiv um den Menschen und läuft ihnen nach. Geht es um die Ewigen Dinge, hören sie ein ganzes Jahr nichts von ihrer Kirche, bekommen keine persönlichen Zuschriften oder Anrufe. Hier sollte dringend ein Umdenken stattfinden und es Änderungen im (Kirchensteuer-)System geben, denn das Seelenheil sollte wichtiger sein als der schnöde Mammon.

Nachsatz des Webmasters:    stimmt absolut.   Kein Pfarrer oder Pfarrgemeinderat gibt ein Lebenszeichen.


 

Kirche neu, stark und ohne Steuer?

26. Dezember 2016 02:43 | Autor: Andreas Unterberger
Bereich: Tagebuch

Die Kirchensteuer ist der weitaus häufigste Grund, warum Menschen aus ihrer Kirche austreten (auch wenn man diese als geistlichen Bund ab der Taufe eigentlich gar nicht verlassen kann). Dennoch halten fast alle Kirchenmänner und Bischöfe in Deutschland und Österreich daran eisern fest. Sie sind überzeugt, dass ohne diese Beiträge die Kirche unfinanzierbar würde.

Was in der Tat auf den ersten Blick zu stimmen scheint. Im Schnitt kommen ja vier Fünftel der Einnahmen der meisten Diözesen aus Kirchenbeitragsgeldern.

Andererseits sind solche Kirchensteuern sowohl historisch wie regional ein relativ peripheres Phänomen. In den meisten Ländern gibt es sie gar nicht. Und in Deutschland und Österreich sind sie erst während der letzten 230 Jahre durch eine komplizierte Abfolge politischer Maßnahmen der Kirche aufgezwungen worden. Regional geschah dies durchaus unterschiedlich: etwa durch die Top-down-Aufklärung eines Joseph II. in einer ersten Vorstufe, dann durch den Reichsdeputationshauptschluss, durch die Revolutionen 1848, durch viele regionale Gesetze – und insbesondere durch den Nationalsozialismus. Dieser wollte damit ja den Kirchen eigentlich schaden, sie von den Gläubigen entzweien.

Daher müssten die Kirchen eigentlich geschlossen gegen jeden Zwangs-Kirchenbeitrag sein. Aber sie haben sich längst daran wie an ein Suchtgift gewöhnt und kommen heute nicht mehr davon los.

Vielen Kirchenmännern scheint es letztlich egal zu sein, dass diese Steuer oft Anlass zum Kirchenaustritt ist – auch wenn sie recht haben, dass die wahren Ursachen meist andere sind. Diese liegen in einer schleichenden Entfremdung der Menschen von ihrer Kirche; sie sind Reaktionen auf Berichte über angebliche oder wirkliche Missbräuche; sie bestehen in persönlichem Ärger über einzelne Priester und Kirchenfunktionäre (man denke nur an die de facto kommunistischen Aussagen von Caritas-Menschen oder Katholischen Sozialakademien); oder sie wurzeln im grundsätzlichen Dissens zu Aussagen von Päpsten (fast jeder Papst versucht ja die Kirche neu zu orientieren, was bei den einfachen Menschen mehr verwirrend statt vertrauensfördernd wirkt).

Wenn dann eine satte Kirchenbeitragsvorschreibung ins Haus flattert, reagieren Kirchenmitglieder bisweilen impulsiv und treten aus der Kirche aus. Sie denken nicht mehr daran, dass Kirchenbeiträge oder noch so arge Aktionen und dumme Aussagen einzelner Kirchenmänner ja immer nur Marginalien sind, die mit dem transzendenten und im Neuen Testament wurzelnden Wesen von Kirche und Christentum absolut nichts zu tun haben.

Bei einer Repräsentativumfrage in Deutschland haben sogar 84 Prozent die Kirchensteuer in ihrer jetzigen Form abgelehnt. Und was für Katholiken wohl noch relevanter sein sollte: Auch (der emeritierte) Papst Benedikt hält die Kirchensteuer für alles andere als unverzichtbar. Das geht ganz deutlich aus seiner Freiburger Rede im Jahr 2011 hervor.

In dieser hat er zwar die Kirchensteuer nicht direkt beim Namen genannt, aber seine Rede war ein einziger flammender Appell zur „Entweltlichung“ der Kirche, der insbesondere auch die Kirchensteuer gemeint haben muss.

Benedikt hat verlangt, dass die Kirche „immer wieder Distanz zu ihrer Umgebung nehmen“ müsse. Er tadelt, dass die Kirche „sich den Maßstäben der Welt angleicht. Sie gibt nicht selten Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zu der Offenheit auf Gott hin….“ Und noch deutlicher: Die Kirche müsse „immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von dieser ihrer Verweltlichung zu lösen“.

Ja, Benedikt preist darüber hinaus sogar die diversen Säkularisierungen im Laufe der Geschichte, obwohl diese einst von der Kirche heftig verurteilt worden sind. „Die Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches – bedeuteten nämlich jedesmal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche.“ Wo sich die Kirche „von ihren materiellen Bindungen“ löse, sei aber ihr „missionarisches Handeln wieder glaubhaft“ geworden.

Die geschichtlichen Beispiele würden zeigen: „Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden.“ Ohne eine „angemessene Entweltlichung“ komme es auch zu einer „zunehmenden Entkirchlichung“ der eigenen Wurzeln.

Der Papst als Chef einer globalen Organisation sieht ja, wie in vielen anderen Ländern die dortigen Kirchen auch ohne eine Kirchensteuer auskommen (wobei freilich gerade aus der durch die Kirchensteuer reichen deutschen Kirche etliches Geld in die Dritte Welt fließt). Er sieht auch, dass gerade in den Ländern mit durch staatliche Hilfe eingetriebenen Kirchensteuern Glaube und Zahl der Gläubigen stetig abnimmt, dass in Ländern ohne solche Privilegien die Kirche hingegen oft aufblüht, weil sie dort glaubwürdiger und sympathischer ist.

Der Verzichts-Gedanke ist für Deutschlands und Österreichs Bischöfe aber dennoch extrem schwer verdaulich. Wie etwa sollen sie die vielen Tausenden Priester, Laienangestellten zahlen? Wie sollen sie die vielen prachtvollen Kulturbauten – Kirchen, Klöster, Stifte – erhalten? Ihre Finanzprobleme sind nicht trivial. Diese würden in der ersten Zeit nach einem Verzicht auf eine Kirchensteuer gewaltig sein. Daher sind die Bischöfe über die Freiburger Rede des Papstes rasch schweigend hinweggegangen.

Was sie in ihre Skepsis aber übersehen haben, ist, wie gewaltig der Gewinn der Kirche an Glaubwürdigkeit wäre. Diese ist weder zentrales Fundament jeder missionarischen und pastoralen Tätigkeit. Und diese Tätigkeit ist „die“ große Aufgabe der Kirchen, die angesichts so vieler sinnsuchender Menschen auch nie größer als heute gewesen ist.

Der Verzicht auf die Kirchensteuer hätte natürlich umgekehrt auch enorme Konsequenzen, wie etwa die Abgabe der Verantwortung für die Pflege und Erhaltung der vielen historischen Kunstschätze im Kirchenbesitz. Diese sind kulturell unersetzbar, Ihre Erhaltung ist aber nicht Aufgabe der Kirche, die viele davon gar nicht braucht. Alte Burgen und Schlösser wie auch aufgegebene Kirchen werden ja auch durch private Initiativen und Vereine oder durch Bund, Länder und Gemeinden erhalten. Wenn sich diese für den Blumenschmuck im örtlichen Kreisverkehr verantwortlich fühlen, warum bitte sollten sie das nicht auch in Hinblick auf die Kirchengebäude tun?

Gewiss: Kirchen, Klöster und Dome sind einst meist „ad maiorem dei gloriam“ entstanden. Sie waren aber auch oft Schutzräume gegen äußere Bedrohungen. Oder Zentren, von denen aus große Teile Europas überhaupt erst urbar gemacht worden sind. Oder Versammlungsplätze für eine Ortsgemeinde zur Besprechung lokaler Probleme. Oder Protzereien von Landesherrn. Sie dienten also oft auch durchaus weltlichen Zwecken.

Tatsache ist zugleich, dass viele der von der Kirche unter großen Mühen erhaltenen Gebäude für seelsorgliche Zwecke heute in keiner Weise effizient sind. Wenn eine lokale Gemeinde aus nachvollziehbarer Traditionsliebe dennoch an diesen Gebäuden hängt, dann sollte sie auch für deren Erhaltung aufkommen. Und viele werden es auch tun. Aber das ist keine Aufgabe für Kirche und Kirchensteuer.

Da die alten Dome und Klöster heute in erster Linie tragende Säulen des Fremdenverkehrs sind, sollten logischerweise auch dieser selbst sowie die vom Tourismus lebenden Gemeinden für deren Erhaltung sorgen. Und jedenfalls nicht die Gläubigen. Übrigens zeigt mir jede Urlaubsreise, dass sich Menschen viel ordentlicher benehmen und interessierter verhalten, wenn sie irgendwo Eintritt zahlen müssen, als in frei zugänglichen Kirchen. Umgekehrt sind Gottesdienste in schlichtem Ambiente, und ganz getrennt von den touristischen Massen, meist religiös viel dichter.

Aber etwas anderes wäre – für die Kirchen – noch viel wichtiger und positiver. Durch einen Prozess der Entweltlichung, also des Verzichts auf staatliche Hilfe (die ja nicht nur in der Kirchensteuer bestehen kann, sondern etwa auch in direkten staatlichen Zuschüssen, Pfründen, Fonds), würde sehr rasch das Allerwichtigste wiederentstehen: Das individuelle wie kollektive Bewusstsein der Eigenverantwortung der Gläubigen. Diese müssten und würden sich wieder verantwortlich für „ihre“ Gemeinde, für „ihre“ Kirche fühlen. Wobei „Kirche“ sowohl im Sinn von Gebäuden wie Institutionen gemeint ist.

Dann würden beispielsweise auch Gemeindefusionen viel leichter: Wenn Pfarrgemeinden selber zum Schluss kommen, dass es besser wäre, zwei Pfarren zusammenzulegen, weil man es alleine halt nicht schafft, würde das nicht so sehr auf Widerstände stoßen wie ein Dekret eines ferne sitzenden Bischofs.

In Verteidigern der Kirchensteuer steckt auch tiefstes Misstrauen gegen die Gläubigen. Diese würden ja quasi nur Hosenknöpfe in die Sammelbüchsen und Klingelbeutel werfen und die Kirche verhungern lassen. Nun, das stimmt jetzt schon nicht. Und vor allem würden die Menschen in Zukunft ganz anders agieren, wenn sie einmal gelernt haben, dass sie selbst nicht nur mit-, sondern alleinverantwortlich sind für die Zukunft ihrer Kirche. Ein großer Teil würde viel freudiger, und etliche würden auch deutlich mehr spenden. Ein „gutes Werk“ kann ja immer nur ein freiwilliges, kein angeordnetes sein. Freilich müssten Bischöfe und Pfarrer bisweilen auch durchaus die Demut aufbringen, um kräftige Finanzierungen zu bitten.

Das Beispiel etwa der USA mit ihrer gewaltigen Spendenfreudigkeit auch außerhalb der kirchlichen Welt zeigt aber, wie viele Menschen in ihrem ganzen Wesen geprägt und gewillt sind, Gutes zu tun. Sie wollen aber nicht dazu gezwungen werden, sie wollen selbst Sinn und Nutzen erkennen, sie wollen selbst entscheiden. Man denke beispielsweise an den effizienten Milliardenkampf der Herrn Gates und Buffet zur Ausrottung der Malaria und anderer Krankheiten - zehnmal wirksamer als staatlich-bürokratische Versuche. Man denke an die Erfolge der Rotarier bei der Auslöschung der Kinderlähmung. 

Gewiss: Es wird immer auch Menschen geben, die im exzessiven Konsum von Zigarren, Austern und Champagner, die in Porsche Cayenne und Luxusjacht den Sinn des Lebens wähnen. Der allergrößte Teil der Menschen sucht hingegen nach echtem Sinn im Leben. Den kann man aber immer nur in freiwilligem Tun finden, nicht in erzwungenem.

Wenn die Gläubigen (wieder wie in der Urkirche) zu verantwortungsbewussten Trägern ihrer Kirche würden, wäre es im Übrigen auch weitgehend Schluss mit manchen abstoßenden Entwicklungen. Etwa damit, dass von der Kirchensteuer in Elfenbeinernen Türmen weit weg von Gläubigen und Vernunft lebende Organisationen und Akademien genderistische oder postmarxistische Theorien produzieren. Dann wäre es Schluss damit, dass sich ein paar Kirchenfunktionäre als hauptberufliche Importeure muslimischer Massen betätigen, womit ja nicht nur der christliche Charakter Europas, sondern ebenso die Fundamente von Freiheit und Vernunft vernichtet würden, die (auch) für Christen so wichtig sind.

Aber freilich: Bevor all das eintritt, müsste man auf ein paar Milliarden verzichten. Und das ist offenbar für viele eine wahrhaft übermenschliche Zumutung. Andererseits: Wer, wenn nicht die Kirche, sollte für Übermenschliches zuständig sein?

 

 




Heiliger Erzengel Michael, beschütze uns im Kampfe   gegen die Bosheit und die Arglist des Teufels.   Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich.   Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,   stürze den Satan und die anderen bösen Geister,   die zum Verderben der Seelen die Welt durchstreifen,   in der Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen.