Laien haben nicht ein Recht zur Kommunionspendung

Der außerordentliche Dienst des Kommunionshelfers ist nicht mit der Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils nach aktiver Teilnahme der Gläubigen zu begründen.
Ein Kommentar von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 27. Januar 2017 um 20:16 Uhr
Weihbischof Athanasius Schneider

Kommentar von Dr. iur. can. Gero P. Weishaupt:

Das katholische Internetportal „katholisch.de“ veröffentlichte am 27.1.2017 einen Artikel über den „außerordentlichen Dienst“ des Spenders der heiligen Kommunion. Obwohl der Beitrag ganz richtig die Außerordentlichkeit dieses Dienstes betonte – außerordentlich in dem Sinne, dass die Kommunionspendung durch Laien nur dann möglich ist, wenn es an Klerikern mangelt oder die Kommunionspendung in die Länge gezogen wird -, ist es nicht nachvollziehbar, warum das Portal diesen außerordentlichen Dienst zugleich mit der Forderung des Konzils nach aktiver Teilnahme der Gläubigen in Verbindung bringt. Es heißt in dem Beitrag:

Die Einführung von liturgischen Laiendiensten nach dem Konzil war auch eine Ausdrucksform der ‚tätigen Teilnahme‘ des Kirchenvolks am Gottesdienst, welche die Konzilsväter wünschten: ‚Alle Gläubigen möchten zu der vollen, bewussten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt werden‘, forderte die Kirche in der Liturgiekonstitution von 1963“.

Wenngleich es richtig ist, dass dieser außerordentliche Dienst im allgemeinen Priestertum der getauften Gläubigen seine theologische Wurzel hat, so kann daraus mitnichten abgeleitet werden, dass er auch ein Ausdruck der aktiven Teilnahme der Laien sei, wie das Konzil sie gewünscht hat. Dies wird freilich nicht in dem Artikel behauptet, es wird aber durch den Hinweis auf die Forderung des Konzils nach aktiver Teilnahme der Gläubigen der Eindruck beim Leser geweckt, als ob der außerordentliche Dienst sich mit der Forderung nach aktiver Teilnahme der Laien im Gottesdienst begründen läßt. Die außerordentlichen liturgischen Dienste von Laien – dazu gehört etwa auch die Möglichkeit der Taufe durch einen Laien oder die Laienpredigt, wenn sie keine Homilie in der Messfeier ist – gründen natürlich im allgemeinen Priestertum aller Getauften, ist aber keineswegs ein Dienst zur Förderung der aktiven Teilnahme der Laien an der heiligen Messe (Eucharistiefeier).

Was sagt das Kirchenrecht

Nach dem Kirchenrecht sind die geweihten Amtsträger die ordentlichen Spender der heiligen Kommunion (wie auch der Taufe und anderer mit dem Weiheamt verbundene liturgische Feiern wie etwas ein Begräbnis). Nur Bischöfe, Priester und Diakone haben darum ein Recht auf die Kommunionspendung (can. 910 § 1). Laien haben dieses Recht an sich nicht. Da aber wegen des Mangels an geweihten Amtsträgern das Wohl und Seelenheil der Gläubigen (can. 1752) beeinträchtigt wird, macht das Kirchenrecht ein Ausnahme. Laien können in begründeten Notfällen als auβerordentliche Spender die heilige Kommunion austeilen. Jedoch weist die Liturgie-Instruktion “Redemptionis Sacramentum” aus dem Jahre 2004 (RS, Nr. 157) darauf hin:

Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtstäger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine auβerordentliche Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In solchen Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben. Zu verwerfen ist das Verhalten jener Priester, die an der Zelebration teilnehmen, sich aber nicht an der Kommunionausteilung beteiligen und diese Aufgabe den Laien überlassen”.

Des weiteren bestimmt die Instruktion im Sinne des kirchlichen Gesetzbuches (cann. 230 § 3 i.V.m. 910 § 2):

Nur im Fall einer echten Notlage darf in der Feier der Liturgie auf die Hilfe außerordentlicher Diener zurückgegriffen werden. Diese Hilfe ist nämlich nicht vorgesehen, um eine vollere Teilnahme der Laien zu gewähren, sondern sie ist von ihrem Wesen her eine ergänzende und vorläufige Hilfe. Wo man also wegen einer Notlage auf die Aufgaben außerordentlicher Diener zurückgreift, soll man die besonderen, beharrlichen Bitten vermehren, daß der Herr bald einen Priester zum Dienst in der Gemeinde sende und reichlich Berufungen zu den heiligen Weihen wecke” (RS, Nr. 151).

Missbrauch einer vom Recht vorgesehenen Möglichkeit für den Notfall

Die Spendung der heiligen Kommunion durch Laien ergibt sich nicht aus der Forderung nach aktiver Teilnahme der Gläubigen in den liturgischen Feiern. Darum betonen die kirchlichen Dokumente, dass diese Aufgabe nur als Ergänzung (suppletio) zum geweihten Amtsträger verstanden werden kann. Bezugspunkt ist immer der geistliche Amtsträger, dem diese Aufgabe aufgrund seiner Weihe vom Recht her zukommt. Laien haben dieses nur im Ausnahmefall, d.h. in einer Notsituation, die im Falle des Mangels an geistlichen, geweihten Amtsträgerns und einer groβen Anzahl von Gläubigen, die die heilige Kommunion empfangen, entstehen kann. Laien können für diese Aufgabe, die über die allgemeine Tätigkeit der Gläubigen an der Liturgie hinausgeht und somit kein Ausdruck der aktiven Teilnahme an der Liturgie ist, für einen bestimmten Fall oder für mögliche Fälle beauftragt werden. Die Liturgie-Instruktion erinnert daran, dass die Beauftragung von Laien zu auβerordentlichen Diensten eine Hilfsmaβnahme ist. Sie dient daher nicht der vollen Teilnahme der Laien, sondern ist “von ihrem Wesen her eine ergänzende und vorläufige Hilfe” (RS, Nr. 151). Die Liturgie-Instruktion rechnet die Nichtbefolgung dieser Normen zu den liturgischen Missbräuchen, die die Bischöfe abzustellen haben und bei Zuwiderhandlung disziplinarisch bzw. strafrechtlich verfolgen sollen (RS. Nr. 160 und 178).

Foto: Bishop Athanasius Schneider O.R.C. celebrating Traditional Latin Mass in Tallinn, Estonia – Bildquelle: Marko Tervaportti, wikimedia.org




Heiliger Erzengel Michael, beschütze uns im Kampfe   gegen die Bosheit und die Arglist des Teufels.   Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich.   Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen,   stürze den Satan und die anderen bösen Geister,   die zum Verderben der Seelen die Welt durchstreifen,   in der Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen.